Politischer Aschermittwoch 2019

von

Siebter politischer Aschermittwoch von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
mit Cem Özdemir (MDB), Agnieszka Brugger (MDB) und Michael Bloss

Im vollbesetzen Kesselhaus in Schorndorf versammelten sich die GRÜNEN aus dem Rems-Murr Kreis zu ihrem diesjährigen politischen Aschermittwoch.
Begleitet wurde der Abend von der Percussionband Congamania des Musikers Andreas Pastorek.
Seit nunmehr 100 Jahren gibt es die Tradition eines politischen Aschermittwochs in Bayern. Seit sieben Jahren nun auch im Schorndorfer Kesselhaus durch die Rems-Murr Grünen.
Es waren in diesem Jahr, so wie bei Aschermittwoch-Reden üblich, nicht nur lustige und deftige Reden; es wurden die „demokratischen Kollegen“ wie sich Cem Özdemir ausdrückte, durchaus mit sehr rustikalen Formulierungen bedacht und beschrieben.

Michael Bloss, 33, der Grünen-Europakandidat aus Stuttgart, mit seiner ersten Aschermittwochsrede, machte das mit großem Engagement und viel Leidenschaft.
Höhepunkt seiner Rede war sicherlich die Formulierung, dass es langsam an der Zeit wäre, den Bundesinnenminister Horst Seehofer mit seinen europafeindlichen Ausfällen in der Flüchtlingspolitik, „auszuhorsten“ und in Rente zu schicken.

Agnieszka Brugger, 34, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag und verteidigungspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, hielt zum zweiten Mal in ihrer politischen Karriere eine Aschermittwochsrede. Nach ihrer ersten in Biberach hatten die Kollegen der Schwäbischen Zeitung gemeint, dass Aschermittwochsreden nicht zu ihren Stärken zählten. In Schorndorf zeigte sie jedoch, dass Sie auch über sich selbst und die eigene Partei sowie Parteikollegen lachen kann. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann bekam dabei sein Fett für unnötige Hubschrauberflüge ab, genauso wie der anwesende Cem Özdemir mit seiner Hanfpflanze auf seinem Fenstersims.

„2018 war das Jahr der verletzten Männlichkeit“, stellte Agneszia Brugger fest und nahm dabei alle Alphamännchen von Erdogan bis Putin, von Orban über Trump, Brinkhaus, Seehofer und Friederich Merz ins Visier.
Die Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus, dass er sich 2030 einen muslimischen Bundeskanzler vorstellen könnte, konterkarierte Brugger mit der Frage, ob sich die CDU denn überhaupt auch mal einen Mann als Bundeskanzler vorstellen könnte.

Cem Özdemir, 53, der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzender des Verkehrsausschusses des deutschen Bundestages, bezeichnete sich selbst ironisch als „Deutscher Außenminister in spe a. D.“ und überzeugte das Publikum im Kesselhaus mit einer brillanten Aschermittwochsrede.

Andere Parteien seien für den Stuttgarter Bundestagsabgeordneten keine Feinde, betonte Özdemir ausdrücklich mit Blick auf das CDU-Parteibuch des Großerlacher Bürgermeisters Christoph Jäger, einem Stammgast der grünen Aschermittwoche in Schorndorf. Mitglieder und Mandatsträger anderer Parteien seien Kollegen, erklärte Özdemir.
Anders sieht er jedoch die Hetzer aus der rechten AfD-Ecke und die Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan.

Aufgrund deren gewalttätiger Anfeindungen könne er selbst hier im Schorndorfer Kesselhaus nur mit Personenschutz auftreten. „Das ist nicht normal und nicht das Wesen einer zivilisierten, freiheitlichen Demokratie“, sagte er zu Beginn seiner Rede über die verrohten Sitten in der Politik der Bundesrepublik im Jahr 2019, bevor er närrisch zur Sache kam.

Özdemir, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages leidet unter den CSU-Verkehrsministern und fragt sich, womit er dies verdient habe?
Erklären könnte man das nur noch mit einer göttlichen Fügung.
Deshalb versuchte Cem Özdemir nun mittels Bibelzitaten zu erklären. „Alle, die ich liebe, weise ich zurecht und erziehe sie streng. Macht also Ernst und kehrt um!“, habe er beim Amtsantritt von Peter Ramsauer gedacht.
Nach Ramsauer, so dachte er, könne es nicht schlimmer kommen.
Aber Alexander Dobrindt war es dann, der an ihn die zehn biblischen Plagen erinnert – von Stechmücken und schwarzen Blattern bis zu Hagel und Heuschrecken.
Mit der Benennung von Andreas Scheuer zum Verkehrsminister aber, stelle Gott ihn wohl vor eine besondere Prüfung.
Da blieb Özdemir nur noch die Hoffnung: „Gebt niemals den Glauben auf…“

Özdemirs Stoßgebet  „Verkehrsminister dürften gern auch aus Bayern stammen – aber bitte nie mehr von der CSU!“
Die Ablehnung von Geschwindigkeitsbegrenzungen auf deutschen Autobahnen, Zitat Scheuer: „gegen den gesunden Menschenverstand“, spricht für sich und ist ein Widerspruch, denn es gäbe es eine ganze Reihe von „CSU- Tempolimits“. Als da wären der Breitbandausbau, die Hygieneampel, der Ausbau des Schienennetzes und die Klimakrise.
Bei Dieselfahrverbote säße Scheuer auf dem Schoß der Automobilbosse und verhindere als Minister die Hardwarenachrüstung.
Fahrverbote, von deutschen Gerichten verhängt, hätten vermieden werden können, so Özdemir aus Stuttgarter Sicht. Aber Ursache und Wirkung dürfe man nicht miteinander verwechseln! Ursache seien der Dieselbetrug der Autokonzerne und das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium, das seit über 10 Jahren die Augen zudrücke und die Einhaltung gesetzlich vorgegebener Grenzwerte ignoriere.
Wir Grünen fordern seit Jahren die blaue Plakette. Damit und mit der Umsetzung des Verursacherprinzips bei der Hardware-Nachrüstung, gäbe es heute keine Fahrverbote in Stuttgart und anderswo.

Cem Özdemir endete seine fulminante Rede mit einem letzten Bibelzitat in Richtung des amtierenden Verkehrsministers Scheuer:

„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“

Der Rest war tosender und langanhaltender Beifall für Cem Özdemir, Agneszia Brugger und Michael Bloss. Der Kreisvorstand bedankte sich am Ende bei allen mit kleinen Präsenten.

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